FAQ’s

Sie haben Fragen zum Thema Hochwasserschutz? Hier finden Sie die wichtigsten Antworten.

Wer erhält einen Hochwasserschutz?

Gemeinden, in denen bestehende Siedlungs- und Gewerbeflächen von einer Überflutung bedroht sind, haben die Möglichkeit, einen geförderten Hochwasserschutz zu bekommen.

Was ist ein HQ 100?

Ein HQ 100 ist ein Hochwasserabfluss in einem Fluss, Bach oder Gerinne, der im Durchschnitt einmal in hundert Jahren erreicht oder überschritten werden kann. Dieser Wert ist für jeden Fluss, Bach oder jedes Gerinne unterschiedlich. Er wird in Österreich standardmäßig für die Bemessung von Hochwasserschutzbauten verwendet.

Was ist ein Gefahrenzonenplan?

Ein Gefahrenzonenplan stellt die Gefährdung einer gewissen Örtlichkeit oder Fläche für Naturgefahren dar. Es existieren in Österreich Gefahrenzonenpläne für verschiedenste Naturgefahren. Die bekanntesten sind die Gefahrenzonen für Lawinengefahr, Steinschlag oder Überflutung aus einem Fließgewässer.

Zuständige Stellen für die Gefahrenzonenausweisung in Österreich sind die Wildbach- und Lawinenverbauung und die Bundeswasserbauverwaltung.

Die Bundesswasserbauverwaltung beschäftigt sich ausschließlich mit der Gefahrenzonenausweisung für Überflutungen aus Fließgewässern. Diese Gefahrenzonenpläne bezeichnet man als Gefahrenzonenpläne Flussbau.

Ein Gefahrenzonenplan Flussbau bildet ab, welche Flächen bei einem HQ 100 (100-jährlichem Hochwasserabfluss), ausgehend von einem Fluss, Bach oder Gerinne, überschwemmt werden.

Was sind Rote bzw. Gelbe Zonen?

Im Hochwasserfall (HQ 100) beträgt die Wassertiefe in einer roten Zone mindestens 1,5 Meter, oder die Fließgeschwindigkeit übersteigt 2 Meter pro Sekunde. Es besteht Lebensgefahr. Gelbe Zonen stellen Überflutungsflächen mit einer geringeren Gefährdung dar.

Mein Grundstück/Haus/Betrieb liegt in einer Gefahrenzone. Was heißt das?

Rote Zonen sind Flächen, die derart stark gefährdet sind, dass sie für Siedlungs- und Verkehrszwecke nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand nutzbar sind. In gelben Zonen sind Beschädigungen von Bauobjekten und Verkehrsanlagen möglich. Rot-gelbe Funktionsbereiche sind für den bestehenden Hochwasserrückhalt und Hochwasserabfluss bedeutend und müssen deshalb freigehalten werden.

Bleiben Rote und Gelbe Zonen dauerhaft bestehen?

Nach der Umsetzung von Schutzmaßnahmen wird der Gefahrenzonenplan angepasst. Hochwassergeschützte Gebiete sind dann nicht mehr als rote oder gelbe Zone ausgewiesen. Es verbleibt jedoch ein Restrisiko. Das bedeutet es kann entweder die Schutzmaßnahme im Hochwasserfall aufgrund eines technischen Gebrechens versagen oder ein höheres als das Bemessungsereignis tritt ein.

Warum können Gemeinden den Hochwasserschutz nicht unabhängig voneinander herstellen?

Niemand darf durch Hochwasserschutzmaßnahmen die Hochwassersituation in flussabwärts liegenden Gebieten verschärfen. Durch Hochwasserschutzmaßnahmen werden Überflutungsräume reduziert – das Wasser hat im Katastrophenfall weniger Platz. Um die Situation für flussabwärts liegende Gebiete nicht zu verschärfen muss die Reduktion der ursprünglichen Überflutungsräume kompensiert werden. Da nicht jede Gemeinde über genug Retentionsräume zur Kompensation der Hochwasserschutzmaßnahmen verfügt, braucht es in bestimmten Tallagen eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit.

Was ist ein Wasserverband?

In einem Wasserverband schließen sich mehrere Gemeinden und Infrastrukturträger zu dem Zweck zusammen, Hochwasserschutzmaßnahmen gemeinsam zu erarbeiten, zu errichten und in Stand zu halten. Ähnliche Verbände existieren bereits für die gemeinsame Abwasserentsorgung, gemeinsame Abfallentsorgung, Krankenversorgung und ähnliches.

Wer beantragt, errichtet und betreibt Hochwasserschutzmaßnahmen?

Wasserverbände oder Gemeinden können ein Hochwasserschutzprojekt zur Genehmigung und finanziellen Förderung einreichen und sorgen nach der erfolgreichen Errichtung auch für den Betrieb und die Instandhaltung.

Wer finanziert den Hochwasserschutz im Unteren Unterinntal?

Der Hochwasserschutz fällt grundsätzlich in den Kompetenzbereich der Gemeinden. Die Finanzierung wird aber großteils vom Bund (zahlt 85% der Kosten) sowie den Infrastrukturträgern übernommen. Der Rest wird nach dem Verteilungsschlüssel des Wasserverbandes von den Gemeinden finanziert.

Wie sind die Kosten unter den Gemeinden im Unteren Unterinntal aufgeteilt?

Die Gemeinden haben bereits gemeinsam einen genauen fairen Verteilungsschlüssel der Kosten des Interessentenanteiles erarbeitet. Die Kosten sind so aufgeteilt, dass Gemeinden, die Ausgleichsmaßnahmen schaffen, entlastet werden.

Was sind Retentionsräume und wozu dienen sie?

Jede Überflutungsfläche ist ein Retentionsraum. Man unterscheidet natürliche und künstliche Retentionsräume. Künstliche Retentionsräume sind Rückhalteanlagen, in denen Wasser gezielt für einen gewissen Zeitraum zurückgehalten werden kann. Im Unteren Unterinntal spricht man von optimierten Retentionsräumen, da hier bestehende natürliche Überflutungsflächen bei einem Hochwasser gezielt überschwemmt werden. Die Wassermassen in einem optimierten Retentionsraum setzen sich zusammen aus den ursprünglichen natürlichen Überflutungsmengen und den Wassermassen aus den geschützten Siedlungs- und Gewerbeflächen.

Warum gibt es nur in Angath, Kramsach, Kundl und Radfeld Retentionsräume?

In der Planung wurden nur Flächen berücksichtigt, die bereits heute bei einem Hochwasser überflutet werden würden, und die in der Rot/Gelben Zone liegen. An anderen Stelle müsste man aufwendig künstlich Flächen schaffen, die Wasser aufnehmen können.

Was müssen Eigentümer in einem optimierten Retentionsraum beachten?

Eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Flächen in optimierten Retentionsräumen ist weiterhin möglich. Das heißt es kommt zu keinen großflächigen Flächenversiegelungen. Um die zukünftigen Retentionsräume werden nur Dämme oder Mauern errichtet um das Wasser in der notwendigen Weise zurückzuhalten. Wie auch bei bestehenden Überflutungsflächen dürfen Retentionsräume zukünftig nicht bebaut werden.

Wie werden Grundeigentümer in optimierten Retentionsräumen entschädigt?

Ein Grundeigentümer in einer Retentionsfläche ohne bauliche Maßnahmen enthält einerseits Entschädigung dafür, dass im Grundbuch das Recht eingeräumt wird diese Flächen für den Hochwasserschutz zu fluten (Verkehrswertminderung). Außerdem werden bei einer stattgefundenen Überflutung für den Hochwasserschutz  der Ernteentgang und die Rekultivierung der Fläche zu 100% entschädigt. Grundeigentümer von denen Flächen für Bauwerke permanent benötigt werden bekommen den Grund eingelöst. Dieser Grund würde in den Besitzstand des Wasserverbandes für den Hochwasserschutz übergehen.

Könnte das Hochwasserrisiko im Unteren Unterinntal nicht durch Rückhalt in den Seitentälern oder im Oberlauf des Inn entschärft werden?

In den Seitentälern und im Oberinntal wurden und werden laufend weitere Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt und Retentionsräume genutzt. Es kommt dadurch aber, gleich wie im Unteren Unterinntal, zu keiner Verschlechterung der Hochwassersituation an den Unterliegern.

Die Retention in Seitentälern bzw. in alpinen Räumen wirkt aber vor allem lokal, eventuell noch regional, hat aber kaum Effekte auf den Inn – das wurde in einer Studie bestätigt.

Kann man nicht einfach das Flussbett des Inns aufweiten?

Retention für den Hochwasserschutz vor einem HQ100 Ereignis funktioniert nur wenn das Wasser gezielt zum richtigen Zeitpunkt ausgeleitet wird. Retentionsflächen die bereits bei Eintreffen der Hochwasserspitze gefüllt sind tragen nichts zur Hochwasserabminderung und damit zum Hochwasserschutz bei. Eine Aufweitung des Inn auf großer Länge ist von vielen Gesichtspunkten aus problematisch. In diesem Fall würde die Ausuferung zum richtigen Zeitpunkt fehlen, wodurch es flussab, zum Beispiel in Kufstein viel größere Hochwasserspitzen gäbe. Das könnte keine Behörde bewilligen

Gibt es weiter flussab- oder aufwärts keine Flächen, die weniger hochwertig sind, und die man verwenden könnte?

Mit Abstand zum betroffenen Gebiet nimmt auch die Wirkung eines Retentionsraums ab. Hochwasserschutzmaßnahmen müssen in räumlicher Nähe zu den Bereichen  gebaut werden, wo sie eine Wirkung erzeugen sollen.

Was passiert, wenn ein Retentionsraum voll ist?

Die Retentionsräume sind für ein HQ 100, also ein sehr seltenes Ereignis, ausgelegt. Für noch seltenere aber größere Ereignisse gibt es eigene Sicherheitsvorkehrungen an den Anlagen damit es zu keinem Versagen der Retentionsanlagen kommt. Wenn ein Retentionsraum voll ist wird er geschlossen.

Wann kann mit dem Bau der Schutzmaßnahmen im Unteren Unterinntal gestartet werden?

Es liegt an den Gemeinden bzw. dem Wasserverband, die Detailplanung zu beauftragen. Das Land Tirol hat alle Vorarbeiten geleistet und das Generelle Projekt zeitgerecht Ende 2016 fertiggestellt.

Was ist ein „Generelles Projekt“ im Sinne des Hochwasserschutzes?

Ein Generelles Projekt ist einem Projekt vorausgehender Entwurf, der sowohl die Zielsetzung als auch die Art und Weise der vorgesehenen Maßnahmen in ihren Grundzügen darstellt.
Endergebnis eines Generellen Projektes bildet die Festlegung einer Ausführungsvariante. Die Festlegung hat im Einvernehmen zwischen Interessenten, Landesdienststellen und dem BMLFUW zu erfolgen.

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