Rattenberg, 6. April 2018 – LHStv Geisler: „Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung und die künftige Entwicklung.“

Für den Hochwasserschutz im Unteren Unterinntal liegt nun die angepasste Planung vor. Anregungen der GrundeigentümerInnen aus den drei geplanten Retentionsräumen Kramsach/Voldöpp, Radfeld/Kundl und Angath wurden in das Projekt ebenso eingearbeitet wie Wünsche der Gemeinden. Das vorliegende Projekt ist die Basis für die Einreichdetailplanung und die Umsetzung des Hochwasserschutzes im Unteren Unterinntal durch den noch zu gründenden Wasserverband.

(Von li:) Markus Federspiel, LHStv Josef Geisler und Josef Hechenberger stellten das angepasste Projekt für den Hochwasserschutz im Unteren Unterinntal vor. Für das Detailprojekt und die Umsetzung braucht es einen Wasserverband. © Land Tirol/Entstrasser-Müller

„Was immer möglich war, hat man bei der Linienführung in den Retentionsräumen berücksichtigt. Bis auf wenige technisch nicht machbare Ausnahmen wurden alle Anregungen aufgenommen“, sieht LHStv Josef Geisler mit der angepassten Planung für den Hochwasserschutz zwischen Brixlegg und Angath das Machbare erreicht. Die Inanspruchnahme von landwirtschaftlichem Grund und Boden für Bauwerke wurde weiter reduziert, die Bewirtschaftbarkeit der Flächen wurde verbessert und künftige Entwicklungsmöglichkeiten berücksichtigt. Auch Ersatz- und Tauschflächen stehen in der Region im notwendigen Ausmaß zur Verfügung.

Verantwortung wahrnehmen

Jetzt, so Geisler, liege es an den Gemeinden, ihre Verantwortung wahrzunehmen: „Das Land hat alle erdenklichen Vorleistungen erbracht. Die Detailplanung und die Umsetzung können ab sofort starten, wenn die Gemeinden mitmachen.“ Fünf Gemeinden (Brixlegg, Kramsach, Rattenberg Breitenbach, Wörgl) haben den Planungen sowie dem Beitritt zum Wasserverband bereits im vergangenen Jahr zugestimmt. In Radfeld und Kundl stehen die Beschlüsse noch aus. Angath hat sich – obwohl es keinen finanziellen Beitrag zum Hochwasserschutz am Inn leisten müsste – im Gemeinderat vorerst gegen das Projekt ausgesprochen.

„Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung, den Schutz von 2.200 Gebäuden, ein Schadenspotenzial von 360 Millionen Euro und die künftige Entwicklung der Region. Jeder, der sich jetzt noch gegen eine Verbandsgründung und die Detailplanung ausspricht, verfolgt eine unverständliche Verzögerungstaktik. Wir sind aber nicht auf dem Bazar oder im Wunschkonzert“, wird LHStv Geisler deutlich. Forderungen wie etwa die Aufhebung des sektoralen Fahrverbots durch Kundl hätten mit dem Hochwasserschutz rein gar nichts zu tun. Die berechtigten Fragen nach der Hochwassersicherheit der Brücken seien in der Planung entsprechend berücksichtigt. Über den Landesbeitrag für das Projekt leisten alle TirolerInnen einen Solidarbeitrag zum Hochwasserschutz.

Rücksicht auf landwirtschaftliche Erfordernisse

Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der agrarischen Grundlagenerhebung rund 150 Einzelgespräche mit GrundeigentümerInnen in den drei Retentionsräumen geführt. Außerdem ist klar, dass im Zuge des Hochwasserschutzes eine Neuordnung der landwirtschaftlichen Flächen erfolgen muss. „Die Landwirtschaftskammer hat sich in den verschiedenen Planungsphasen dieses Großprojektes immer wieder für die Interessen der Grundbesitzer stark gemacht. Die zuständigen Experten haben gut gearbeitet und sind in der nun vorliegenden Planung bereits auf viele Wünsche und Anliegen der Betroffenen eingegangen. Auch auf die Erfordernisse der Landwirtschaft wurde Rücksicht genommen, was sich beispielsweise in reduziertem Flächenverbrauch und geringeren Böschungsneigungen zur besseren Bewirtschaftbarkeit, widerspiegelt“, bestätigt der Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, Josef Hechenberger, „in einigen Punkten muss aber noch nachgeschärft werden“.

Naturgemäß habe die Landwirtschaft nach wie vor keine große Freude mit diesem Projekt, denn zur Umsetzung werden wertwertvolle landwirtschaftliche Böden benötigt, die für die betroffenen Besitzer für die betriebliche Entwicklung für immer verloren gehen. „Die Grundbesitzer und Landwirte leisten mit der Zurverfügungstellung dieser Retentionsflächen einen wertvollen Dienst an der Allgemeinheit. Sie haben bisher konstruktiv mitgearbeitet und dürfen keineswegs als Verhinderer, geschweige denn als Profiteure des Hochwasserschutzes bezeichnet werden“, so Hechenberger

„Wir konnten rund 90 Prozent der Anregungen und Wünsche aus der agrarischen Grundlagenerhebung und aus den Rückmeldungen der Gemeinden zur Gänze oder teilweise erfüllen und dabei das Retentionsvolumen von 8,5 Millionen Kubikmeter Wasser aufrechterhalten“, präsentiert Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft die integrierte Planung. Möglich sei das auch deshalb, da aufgrund von Gesprächen mit der Staubeckenkommission, einem Gremium zur fachlichen Begutachtung von Stauanlagen und Talsperren, die Dammhöhen etwas reduziert werden konnten.

Damm rückt zum Windschutzgürtel

So wird im Retentionsraum Kramsach/Voldöpp der Damm Richtung Dorf um 1,5 Meter niedriger. Auf der Südseite rückt der Damm näher zum Inn. Der Abschlussdamm im Osten kann wie von den GrundeigentümerInnen gewünscht abgerückt werden.

In Radfeld ist es gelungen, mit dem westlichen Damm bis zum Windschutzgürtel abzurücken. Damit gewinnt man weitere 20 Hektar für die künftige landwirtschaftliche Entwicklung. Anstatt von Erddämmen werden entlang der Autobahn bis zur Kläranlage und um die Kläranlage herum Mauern errichtet. Auch auf der Seite der Bahntrasse sind im oberen Abschnitt nun Mauern geplant.  Aus hydraulischen Gründen und aufgrund der Autobahn-Kontrollstation nicht möglich ist eine Verschiebung des Einlaufbauwerkes. In Kundl konnte der Damm weiter zur Autobahn abgerückt werden. Da in Kundl der Rückhalteraum gegenüber den ursprünglichen Planungen bereits in einem früheren Planungsstadium auf den Bereich nördlich der Bahn beschränkt wurde, gibt es hier keine wesentlichen Änderungen mehr.

Wesentliche Verbesserungen für die GrundeigentümerInnen gibt es in Angath. Ein Teil der Dämme wird wesentlich niedriger und der Damm am Inn konnte weiter abgerückt werden. Auf dem Damm Richtung Autobahn ist eine hochwassersichere Straßenverbindung nach Langkampfen realisierbar. Nicht möglich ist auch hier die Verschiebung des Einlaufbauwerks.

 

Hier können Sie die Präsentation zum Angepassten Projekt Hochwasserschutz Unterinntal downloaden

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