Kramsach/Voldöpp, 03. Oktober 2019 – Über 100 ha Tausch- und Ausgleichsflächen für Hochwasserschutz und Infrastrukturprojekte.

Ob Schutzmaßnahmen an Wildbächen oder Flüssen, Straßenbauvorhaben oder andere Infrastrukturmaßnahmen im öffentlichen Interesse – kaum ein Projekt lässt sich ohne die Inanspruchnahme von Grund und Boden verwirklichen. Damit Infrastrukturprojekte nicht zu Lasten der Landwirtschaft gehen und möglichst zügig realisiert werden können, bietet der Landeskulturfonds aktiven bäuerlichen Betrieben einen Flächenersatz. Derzeit verfügt der Landeskulturfonds über mehr als 100 Hektar Ersatzflächen.

Wohnen, Wirtschaften, Lebensmittelproduktion und Verkehr spielen sich in Tirol auf engstem Raum ab. „Speziell in den Gunstlagen wie dem Inntal ist der Nutzungsdruck auf landwirtschaftliche Flächen groß. Wir wollen den Fortbestand der produzierenden Landwirtschaft in diesen Gebieten sichern und gleichzeitig eine geordnete Entwicklung unseres Landes ermöglichen. In diesem Spannungsfeld spielt der Landeskulturfonds als Flächenmanager eine immer bedeutendere Rolle“, betont LHStv Josef Geisler.

Der Landeskulturfonds ist gesetzlich damit beauftragt, landwirtschaftliche Grundstücke als Tausch- und Ersatzflächen zu erwerben, um diese aktiven bäuerlichen Betrieben zur Besitzfestigung zur Verfügung zu stellen, wenn deren Flächen für Infrastrukturvorhaben, Siedlungsgebiete oder kommunale Einrichtungen benötigt werden. „Die wichtigste Grundlage eines bäuerlichen Betriebes und der Lebensmittelproduktion ist Grund und Boden. Wer Bauer bleiben will, soll Bauer bleiben können – auch wenn Grundstücke für Schutzbauten, Straßen, Radwege oder ein Wohngebiet benötigt werden“, so Geisler.

Ersatzflächen als Schlüssel für Hochwasserschutz
Derzeit verfügt der Landeskulturfonds über mehr als 100 Hektar Tausch-, Ersatz- und Ausgleichsflächen. Der Großteil davon steht für Hochwasserschutzprojekte, aber auch für Straßenbauprojekte zur Verfügung.  Darüber hinaus kann der Landeskulturfonds Ausgleichsflächen nach dem Tiroler Naturschutzgesetz etwa für die Realisierung von Kraftwerksprojekten anbieten. „Die Flächen des Landeskulturfonds sind der Schlüssel für eine zügige, günstige und einvernehmliche Realisierung von Projekten im öffentlichen Interesse“, ist Geisler auch zuversichtlich, was den Hochwasserschutz im Unterinntal anlangt. Die Skepsis der GrundeigentümerInnen sei nachvollziehbar, aber das Land tue alles, um einerseits den Hochwasserschutz zu gewährleisten und andererseits eine lebens- und leistungsfähige Landwirtschaft zu erhalten. „Der Landeskulturfonds sorgt dafür, dass die notwendigen Ersatzflächen zur Verfügung stehen. Außerdem stehen die Flächen in den Retentionsräumen weiter für die Lebensmittelproduktion zur Verfügung.“

725 Hektar Bau- und Freiland geschützt
Nach Fertigstellung der Schutzmaßnahmen sind 2.200 Gebäude und 725 Hektar Bau- und Freiland vor einem 100-jährlichen Hochwasser geschützt. „Laut derzeitigem Planungsstand des Hochwasserschutzprojekts im Unteren Unterinntal werden für die Errichtung von Hochwasserschutzbauwerken sowie für Maßnahmen in den Retentionsräumen rund 50 Hektar Grund benötigt, der den GrundeigentümerInnen abgelöst wird “, erläutert Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft. Für ökologische Ausgleichsmaßnahmen braucht es zusätzlich eine Fläche von zirka sieben Hektar. Die Flächeninanspruchnahme für das Mittlere Unterinntal zum Schutz von 1.500 Gebäuden steht noch nicht fest, da hier noch kein generelles Projekt vorliegt.

Flächen stehen zur Verfügung
„Im Auftrag des Landes haben wir im heurigen und im vergangenen Jahr allein im Unterinntal über 14,5 Millionen Euro in den Ankauf von landwirtschaftlichen Flächen investiert. Derzeit können wir im Retentionsgebiet des Unteren Unterinntals 47 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche als Tausch- bzw. Ersatzflächen für das Hochwasserschutzprojekt zur Verfügung stellen“, erklärt Thomas Danzl, Geschäftsführer des Landeskulturfonds. Auch im Mittleren Unterinntal ist der Landeskulturfonds aktiv und hat bereits Verträge über drei Hektar Ersatzflächen. Im Zuge von Infrastrukturvorhaben werden landwirtschaftliche Grundstücke vielfach auch neu geordnet und so die Bewirtschaftbarkeit verbessert.

Landeskulturfonds als Drehscheibe 
Nach dem verheerenden Unwetter in der Gemeinde Sellrain im Jahr 2015 hat der Landeskulturfonds in der kleinen Landgemeinde 19 Hektar Fläche für Dämme, Auffangbecken, Bachregulierungen und Absiedlungen sowie kommunale Vorhaben zur Verfügung gestellt. Im Zuge der Grundzusammenlegung Thaurer Felder hat der Landeskulturfonds acht Hektar Ersatzflächen für Wirtschaftswege und Bewässerungsanlagen bereitgestellt. „Der Landeskulturfonds ist eine Drehscheibe im Flächenmanagement. Wir sehen uns sowohl als Partner der Landwirtschaft als auch der ländlichen Gemeinden und sind ein seriöser Ansprechpartner für Grundeigentümer mit Verkaufsabsicht“, so Danzl. Der Landeskulturfonds spekuliert dabei nicht, er agiert im öffentlichen Interesse und ohne Gewinnabsicht.

Unterstützend tätig ist der Landeskulturfonds auch bei Verkehrsprojekten. „Die Umfahrung Fügen wird maßgeblich mit Hilfe von sechs Hektar Ersatzflächen des Landeskulturfonds umgesetzt. Und auch für die Entlastung des Ortszentrums von Aldrans stehen 0,8 Hektar Ersatzflächen zur Verfügung. Eine große Fläche von 10,8 Hektar hält der Landeskulturfonds in Gries am Brenner für die Sanierung und den Neubau der Autobahnbrücke, für ein schutzwasserwirtschaftliches Projekt an der Sill und für den geplanten Radweg. Werden bei Infrastrukturvorhaben ökologisch wertvolle Flächen berührt, sieht das Tiroler Naturschutzgesetz Ausgleichsmaßnahmen vor. Auch hierfür hält der Landeskulturfonds bereits Ausgleichsflächen von mehr als 20 Hektar – vornehmlich im Tiroler Oberland – vor.

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